Die Financial Times berichtete bereits letzten Monat darüber, und ich wurde diese Woche im Podcast der London Law Expo dazu befragt (das gesamte Gespräch können Sie unten anhören). Es ist wichtig zu betonen, dass dieses Thema nicht nur in Medienkreisen diskutiert wird, sondern auch in Anwaltskanzleien und Vorstandsetagen, da Mandanten zunehmend mehr Kostentransparenz fordern.
Das Problem mit der abrechenbaren Stunde
Das Modell der abrechenbaren Stunde entstand zu einer Zeit, in der manuelle, zeitintensive juristische Arbeit die Norm war. Es trug zwar Unwägbarkeiten Rechnung, setzte jedoch Anreize für längere Arbeitszeiten, statt den tatsächlich erbrachten Wert in den Fokus zu rücken.
Da generative KI Routineaufgaben in der Rechtsberatung nun planbar und schnell macht, können Kanzleien den Zeitaufwand präzise einschätzen und ein Festpreismodell anbieten. Dies sorgt für eine größere Klarheit auf Mandantenseite und hilft Kanzleien, ihre Abrechnungspraktiken an die modernen Erwartungen ihrer Mandanten anzupassen.
Kanzleien, die diesen Ansatz wählen, verschaffen sich einen klaren Wettbewerbsvorteil. Untersuchungen zeigen fortlaufend, dass große Firmenkunden verstärkt auf alternative Honorarvereinbarungen (Alternative Fee Arrangements, AFAs) drängen, einschließlich Pauschalhonoraren, insbesondere bei standardisierten Rechtsdienstleistungen. Pauschalpreis- und wertorientierte Abrechnungsmodelle etablieren sich zunehmend auch in Bereichen wie der Wirtschaftsprüfung und Steuerberatung.
Trotz sich verändernder Erwartungen gibt es in Branchen wie dem Rechtswesen, in denen Traditionen tief verwurzelt sind, eine natürliche Zurückhaltung gegenüber Veränderungen. Viele Anwältinnen und Anwälte haben erfolgreiche Karrieren auf Basis der abrechenbaren Stunde aufgebaut. Daher ist es verständlich, dass sie hinterfragen, ob der Wechsel zu Festpreismodellen oder KI-gestützten Prozessen überhaupt notwendig ist. Doch nur weil eine Methode jahrzehntelang praktiziert wurde, bedeutet das nicht, dass sie auch für die Zukunft der effektivste und nachhaltigste Ansatz ist.
Wie KI die juristische Arbeit transformieren kann
KI ermöglicht es, die Qualität juristischer Dienstleistungen aufrechtzuerhalten oder gar zu steigern und gleichzeitig den Zeitaufwand für Routineaufgaben drastisch zu senken. Dies hängt natürlich stark davon ab, wo sie eingesetzt wird und welche Qualität die KI-Plattform aufweist (worauf Sie dabei achten sollten, können Sie hier nachlesen).
Nehmen wir beispielsweise die Vertragsprüfung. Früher verbrachte ein Associate unter Umständen einen ganzen Tag damit, einen Vertrag nach Compliance-Verstößen und potenziellen Risiken zu durchforsten. Mit KI lässt sich derselbe Vertrag in Sekundenschnelle prüfen – mit gleicher, wenn nicht sogar höherer Präzision. Die KI scannt das Dokument, markiert nicht konforme Klauseln, hebt Risiken hervor und liefert zugleich Echtzeit-Vorschläge zur sprachlichen Optimierung.
Compliance-Prüfungen sind ein weiterer Bereich, in dem KI einen erheblichen Unterschied macht. Sie kann regulatorische Aktualisierungen kontinuierlich verfolgen und stellt sicher, dass die Dokumente, an denen Sie arbeiten, stets den neuesten Standards entsprechen. Diese Automatisierung reduziert nicht nur die Arbeitslast, sondern minimiert auch das Risiko, wichtige gesetzliche Änderungen zu übersehen.
Auch die Erstellung von Dokumenten wird durch KI grundlegend verändert. Anstatt einen Vertrag mühsam von Grund auf neu zu entwerfen, kann die KI Standardklauseln automatisch ausfüllen, maßgeschneiderte Anpassungen empfehlen und Entwürfe in wenigen Minuten erstellen. Anwältinnen und Anwälte können sich so auf die strategische Beratung konzentrieren, während die repetitiven Teile der Dokumentenerstellung von der KI übernommen werden.
Um zu erfahren, wie LEGALFLY Sie unterstützen kann, vereinbaren Sie gerne ein Gespräch mit einem unserer Experten.
Mehr strategische Beratung, weniger Administration
Aufgaben wie die Vertragsprüfung und Compliance-Checks hatten schon immer weniger mit tiefer juristischer Expertise zu tun, sondern waren vielmehr repetitive, administrative Tätigkeiten, nach denen kaum ein Jurist strebt. Für diese Art von manueller, zeitaufwendiger Arbeit macht KI das Modell der abrechenbaren Stunde hinfällig, da Aufgaben, die früher Stunden in Anspruch nahmen, nun in wenigen Augenblicken erledigt werden können. Dies führt nicht zu einem Verlust an abrechenbarer Arbeit – es verschiebt lediglich den Maßstab für den Wert. KI schmälert nicht die juristische Kompetenz, sondern hebt deren Bedeutung hervor, indem sie die Notwendigkeit menschlicher Mitwirkung bei Routineaufgaben beseitigt. Das Budget der Mandanten kann so für die strategische Rechtsberatung eingesetzt werden, die Ihrem Team die Möglichkeit gibt, sich zu profilieren.






